Die BI-Gründerin – Elisabeth Schilhabel

So sieht sich Elisabeth Schilhabel am liebsten: im Grünen und mit ihrer Hündin Farah

Dieses Bild und das folgende Interview war am 20. Juni 2012 in der Dachauer Rundschau zu lesen

Wir können unsere Erde verlieren – da wird Widerstand zur Pflicht

Dachau (srd) – Elisabeth Schilhabel ist die derzeit wohl umstrittenste Dachauer Stadträtin. Die einen hassen Sie wegen ihrer kompromisslosen Fundamentalopposition. Die anderen bewundern sie gerade deshalb und weil sie trotz aller ihr entgegenschlagender Abneigung und massiver Kritik unbeirrt ihrenStandpunkt weiter verfolgt. Schilhabel wurde 1953 in Pleinfeld/Mittelfranken am großen Brombachsee geboren. Mit 21 ging sie nach Regensburg, besuchte drei Jahre die Berufsoberschule, zog dann nach Karlsfeld, um in München an der TU zu studieren und lebt seit 1985 mit Unterbrechungen bis heute in Dachau. Sie sagt: „Mittlerweile fühle ich mich als Dachauer.“


Porträt
Elisabeth Schilhabel


Frage: Sie ketten sich an Bäume, organisieren Widerstand wo fast alle anderen längst aufgegeben haben, nerven Politiker, Verwaltung und mitunter auch die Presse und gelten vielen in der Dachauer Kommunalpolitik als rotes Tuch, als Enfant terrible. Macht es Ihnen Spaß zu provozieren und andere hart zu kritisieren?

Antwort: Ich bin lieber ein rotes Tuch, als ein schwarzes Blatt. Es ist für die Sache notwendig, zu provozieren und andere hart zu kritisieren, wenn sie es verdienen. Ansonsten hört mich niemand und es ändert sich nie etwas. Es macht in gewisser Hinsicht auch Spaß, wie David gegen Goliath zu kämpfen und David hat ja auch gesiegt.
Die Klüngelei, das Wischi-Waschi-Gerede und das Durchgenicke der Politiker in der Kommunalpolitik und der großen Politik gehen mir gehörig auf die Nerven. Ich habe ein gutes Gefühl mich an Bäume zu ketten und Widerstand zu organisieren, der dringender denn je ist. Es geht mir um die gute Sache und das gibt meinem Leben einen Sinn. Die Probleme werden immer größer. Wir können sogar unsere Erde verlieren. Da wird doch Widerstand zur Pflicht. Deshalb werde ich nie aufgeben.


Frage: Wie gehen Sie selbst mit Kritik an Ihrer Person sowie Ihrem Tun um und macht es Ihnen nichts aus, mit dem gesamten Stadtrat in Fehde zu leben?
Antwort: Ich bin als Stadträtin geradezu verpflichtet, für eine Politik, von der ich guten Gewissens überzeugt bin, zu streiten und zu kämpfen. Kritik aushalten und dann mit den besseren Argumenten zu kontern, das ist meine Devise! Doch es macht mir etwas aus, mit den Stadträten in Fehde zu leben. Ich wünsche mir aber, dass sie ihre Politik ändern und sich bedingungslos für Naturschutz und Bedürfnisse der Allgemeinheit einsetzen und nicht weiterhin Einzelinteressen unterstützen.

 

Frage: Wie wurden Sie, wie Sie heute sind?
Antwort: Mein Opa war Bürgermeister und ein Gegner der Nazis. Er versteckte Ausländer und half ihnen. Dafür kam er auch für einige Zeit ins KZ Dachau.
Mein Vater war CSU-Mitglied und Betriebsratsvorsitzender und engagierte sich auch sehr für ausländische Mitarbeiter. Ich wurde immer frei erzogen, war Klassensprecherin und bei den Lehrern beliebt. Ich habe mich immer gegen Ungerechtigkeiten eingesetzt. Dies alles hat mich in meiner Kindheit geprägt. 1979 war ich in Offenbach bei der Vorbereitung des Gründungskongresses der Grünen, der im Januar 1980 in Karlsruhe stattfand. Ich habe die Grünen in Dachau mitgegründet und mich in der Friedensbewegung und im Anti-Atom-Widerstand engagiert. In den 80-er Jahren haben wir die großen Bäume am Dachauer Bahnhofsplatz besetzt und vor einer Fällung gerettet. Ich glaube, wenn man sich bemüht, anderen etwas Gutes zu tun, bekommt man ganz viel zurück.
Mir geht es einfach immer um die Sache. Provozieren ist gar nicht mein Ziel. Ich will  einen Wechsel in der Politik. Ich habe keine Lust, mir anzuschauen, wie die anderen alles zerstören. Meine Freunde und ich lassen uns diese Zerstörung nicht mehr bieten. Ich bin einfach ein Idealist und ein Kämpfer. Unserem OB und Stadträten mache ich es  zum Vorwurf, dass sie die Zukunft nicht hinreichend im Auge behalten. Einzelne Personen, die sich nicht informieren und dann entscheiden, kritisiere ich sehr emotional, aber trotzdem stark vernunftbetont. Ich informiere mich selbst vorher immer gründlich  und weiß daher oft etwas, was andere nicht wissen. Das gibt mir die Sicherheit, meinen Standpunkt zu vertreten und die Kraft, die Kritik an mir auszuhalten.

 

Frage: Wo sehen Sie die Grenzen Ihres Widerstands, ihres Protestes und der persönlichen Kritik an anderen Menschen?
Antwort: Ich bin natürlich nur für den gewaltfreien Widerstand, denn ich verabscheue Gewalt gegenüber Menschen, genauso aber gegenüber Tieren und der Natur.

 

Frage: Sie sind Oberstudienrätin und unterrichten  an einer Berufsschule in Friedberg. Wie kommen Ihre Schüler und Schülerinnen mit einer Revoluzzerin als Lehrerin zurecht?
Antwort: Ich liebe meine jugendlichen Schüler und meinen Beruf. Ich unterrichte Ernährungslehre, Sozialkunde und Betriebswirtschaft. Das sind genau die Fächer, in denen ich bei den Schülern ein kritisches Bewusstsein hervorrufen kann. Meine Schüler mögen mich sehr und spüren mein Engagement. Mein Leitspruch, den ich an meine Schüler weitergebe und selbst vorlebe, lautet: „Sei Du die Veränderung, die Du Dir von der Welt wünschst.“ Gerade auch meine Schüler sind es, die mich innerlich antreiben, für eine lebenswerte Zukunft  mittels der Politik zu kämpfen.

 

Frage: Nun noch ein paar Fragen zum Menschen Elisabeth Schilhabel: Wie sehen Sie sich selbst, was für ein Typ Mensch sind Sie?
Antwort: Ich bin ein fröhlicher und humorvoller Mensch. Es macht mir Freude, mich für Gutes einzusetzen. Ich bin seit vielen Jahren mit großer Überzeugung Vegetarier, weil es viele Gründe gibt, kein Fleisch zu essen. Ich bin bescheiden und Konsum bedeutet mir wenig. Tiere liebe ich sehr. Ich habe viele gute Freunde, was mir sehr wichtig ist. Ich bin eine begeisterte vegetarische Köchin. 

 

Frage: Sie sagten mir einmal, sie seien dreifache Mutter. Haben Sie auch Ihre Kinder zum zivilen Ungehorsam erzogen?
Antwort: Nicht direkt dazu erzogen, aber immer vorgelebt. Meine Kinder sind dankbar, dass ich mich für ihre Zukunft einsetze. Sie sagen sogar, sie sind stolz auf mich.

 

Frage: Was sagt Ihr Partner, Ihre Familie zu Ihrem Engagement und Ihrem Verhalten in Gesellschaft und Politik und haben Sie noch Zeit für sie?
Antwort: Mein Partner ist der gleichen Ansicht wie ich und unterstützt mich.

 

Frage: Was sind ihre Hobbys, was machen Sie, wenn Sie gerade nicht die Jeanne d’ Arc der Dachauer Politik sind?
Antwort: Ich lese sehr gerne gute Bücher, z.B. von  Brecht,  Böll, Frisch,  Hesse, Goethe oder  Beckett. Ich gehe gerne mit meiner Hündin Farah spazieren, fahre Fahrrad, gehe tanzen, höre Musik, insbesondere von Konstantin Wecker, Ludwig Hirsch, Ringsgwandl, Georg Kreisler und wandere gerne in den Bergen.. Aber ich fahre auch gerne in die Brauerei Stegen am Ammersee zu Paul Schneider. Dort sind viele Freunde aus den Bürgerinitiativen Schlossberg, Rettet die Bäume und Rettet das Dachauer Moos.

Interview: R.-Dietmar Sponder